Wer eine Reise tut…
Leseprobe:
Einsteigen! Bitte alles einsteigen!
So eine Bahnfahrt durch die Schweizer Alpen ist bei unseren Mitreisenden immer sehr beliebt. Man setzt sich hinein, genießt die Aussicht, von Zeit zu Zeit kommt eine Bedienung vorbei und fragt, ob man was zu essen oder zu trinken haben möchte und man lässt ganz einfach die Seele baumeln. Und wenn man mit dem Glacier-Express unterwegs ist, dann bekommt man per Kopfhörer auch noch viele Informationen über den Streckenbau und über die Dörfer entlang der Bahn geliefert.
In Davos sind wir gestartet im wunderbaren Panoramazug, sodass man einen wirklich herrlichen Ausblick hat. Ab Chur wird es interessant – die Stadt selber bietet nicht wirklich Attraktives. Chur ist ein Verkehrsknotenpunkt, von dort weg fährt man in die Berge. Also ist dort noch ein kurzer Aufenthalt, weil vor allem auch der Nostalgiewaggon dazu gehängt wird, in dem auch wir unser Mittagessen gebucht hatten. Speisen und reisen wie zu Kaiserszeiten – könnte man dieses Feeling beschreiben.
Beim Einsteigen gab es – so wie immer – ein paar Debatten darüber, in welcher Fahrtrichtung man sitzen sollte, damit den Sensiblen nicht übel wird und vor allem, wo man am meisten sehen kann. Aber das lässt sich schwer sagen, denn Besonderheiten kommen einmal links, einmal rechts – sodass wirklich jeder was davon hat.
Auf der gesamten Reise befinden wir uns im Kanton Graubünden, dem größten Kanton der Schweiz, in dem 90 Prozent der Flächen über 1.200 Meter Seehöhe liegen. Die Tiroler fühlen sich hier schon fast wie daheim und man könnte daraus auch schließen, dass das Bergvolk im Urlaub mit Vorliebe eruiert, wie es einem anderen Bergvolk ergeht. Die Wiesen werden verglichen, wie und wann gemäht wird, welche Maschinen dafür zum Einsatz kommen und dergleichen mehr. Gesprächsstoff gibt es immer und manchmal habe ich das Gefühl, dass weniger die Landschaft das Anregende ist, sondern vielmehr das Beisammensitzen und Gedanken austauschen. Wahrscheinlich wäre so manch ein Mitreisender erstaunt darüber, wenn man ihm Fotos von der Region zeigen und darauf hinweisen würde, dass er dort schon gewesen ist. Das gilt natürlich für Frauen ganz genauso.
Schon am Vortag sind wir mit dem Bernina-Express vom italienischen Pontresina nach St. Moritz gefahren. Da könnte man die ersten paar Kilometer meinen, man sei mit der Straßenbahn unterwegs, aber dann schlängelt sich der Schnecken-Express den Berg hinauf und könnte man die Fenster ganz öffnen, dann wäre es möglich, die Felswände zu berühren, an denen man vorbei fährt.
„Deine Informationen sind so natürlich, intelligent und lebensnah, dass sie von der ganzen Welt gelesen werden sollten.“